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Das #ECHTINAKINDERGARTEN Blog
01
Jul 2018

Im Träumen liegt die Kraft

Ein Grußwort zum Abschied von Regine Schallenberg

Zu Beginn dieses Jahrtausends beschloss der Berliner Senat, öffentliche Kitas in eine andere Trägerschaft zu übergeben, um – vor allem im Ostteil der Stadt – eine größere Vielfalt zu erreichen. Das war unsere Chance!

Gerda Wunschel arbeitete damals als Leiterin der Kita Dresdener Straße in Kreuzberg, ich als Kita-Beraterin im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Enttäuscht von der nicht gelungenen Berliner Verwaltungsreform und von unseren Erfahrungen im Kita-Alltag haben wir uns mit anderen zusammengetan und unsere „Kita-Träume“ gesponnen. Einen eigenen Träger gründen, in dem man all das verwirklichen konnte, was im öffentlichen Dienst an unsinnigen Vorschriften, Unbeweglichkeit der Verwaltung, Haushaltssperren oder einem Mangel an Verantwortung scheiterte! Was für ein Traum!

Ich wollte, dass beim Träger meiner Träume Kinder und Erwachsene ernst genommen und respektiert werden – ganz gleich, woher sie kommen, welcher Religion sie angehören, welche Sprache sie sprechen. Wir waren uns einig, dass der Situationsansatz den geeigneten pädagogischen Rahmen bietet: klar in der Haltung Menschen gegenüber, eindeutig darin, von den Interessen und vom Bedarf der Kinder und Eltern auszugehen – aber offen genug, damit die pädagogischen Fachkräfte den Alltag in der Kita eigenständig und mit Herzblut und nach ihren eigenen Überlegungen gestalten können.

Im Dezember 2003 gründeten wir dann INA.KINDER.GARTEN. Zunächst war ich Minderheitsgesellschafterin neben der INA, der Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin. Sehr bald wurde ich erst mit halber, dann mit ganzer Stelle Geschäftsführerin – neben Gerda Wunschel-Gavlasz, die bis dahin mit ihrer bewundernswerten Zielstrebigkeit und Energie schon so viel gestemmt und aufgebaut hatte. 

Im Jahr 2008 schließlich stieg die INA aus, um das BeKi (Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung) ins Leben zu rufen. Gerda Wunschel und ich übernahmen zu jeweils 50 Prozent die Gesellschafteranteile. Damit waren wir auf Gedeih und Verderb gezwungen, uns immer zu einigen, alle Schritte gemeinsam zu gehen, alle Probleme und Herausforderungen gemeinsam zu lösen. Wir waren oft – eigentlich meist – einer Meinung, aber keineswegs immer. In solchen Fällen mussten wir versuchen, einander zu überzeugen, was uns auch jedes Mal gelungen ist. Aber wir waren und sind uns immer einig, dass die Kinder und ihre bestmögliche Entwicklung für uns im Mittelpunkt stehen und dass es dafür gut qualifizierte und zufriedene pädagogische Fachkräfte braucht. 

Dazu kam, dass ich als Geschäftsführerin im europäischen Netzwerk DECET mitarbeiten konnte. DECET steht dafür, dass alle Kinder und Erwachsenen in Einrichtungen für junge Kinder die Sicherheit spüren dürfen, dazuzugehören. Und dafür, dass jeder Mensch Anerkennung und Respekt erfährt. Dieses Ziel, und die Überzeugung, dass jeder Mensch, und sei er noch so klein oder jung, Rechte hat, waren uns immer wichtig.

In der Rückschau stelle ich fest, dass wir an die Trägergründung und die ersten Jahre zwar mit viel Euphorie und Leidenschaft herangegangen sind. Aber wir wussten längst nicht alles über gesetzliche Vorschriften, die einzuhalten waren, zumal in Sachen Buchhaltung – insbesondere als schon mehrere Kitas aus dem Öffentlichen Dienst zu INA.KINDER.GARTEN gewechselt waren und das Unternehmen eine Größe erreicht hatte, für die weit schärfere Regeln gelten. So lag einige Jahre lang die Priorität darauf, nicht nur die Strukturen des Trägers an das schnelle Wachstum in den ersten Jahren anzupassen, sondern auch darauf, die Prozesse innerhalb des Trägers zu definieren und in Prozessbeschreibungen für alle nachlesbar zu machen. Schnell war klar, dass das Rechnungswesen personelle Verstärkung brauchte. Auch der Personalbereich benötigte klare Strukturen und mehr Personal. Dennoch haben wir es immer geschafft, die Ausgaben für die Verwaltung vergleichsweise gering zu halten. 

Umso mehr freue ich mich, dass seit meiner Erkrankung der Bereich der pädagogischen Qualität, für den ich zuständig war, deutlich gestärkt wurde: Es gibt zwei Regionalleiterinnen, die einander gut ergänzen und gemeinsam vielfältige Erfahrungen in die Waagschale werfen. Und die beiden Assistentinnen der Geschäftsführung, deren persönliche fachliche Weiterentwicklung ich in den letzten Jahren begleiten durfte, wirken inzwischen als Fachberaterinnen gemeinsam mit dem Fachberater für sprachliche Bildung unterstützend in die Kitas hinein. 

All das war so noch nicht realisiert, als ich vor gut anderthalb Jahren erkrankte. Aber wir hatten es gemeinsam in weitsichtiger Planung bereits vorbereitet, weil aufgrund unseres gleichen Alters immer klar schien, dass Gerda Wunschel und ich etwa zur selben Zeit ausscheiden würden und dass dieser Zeitpunkt in nicht allzu ferner Zukunft liegen würde.

Doch dann hat mich das Schicksal vorzeitig aus der Arbeit herausgerissen: Ich konnte plötzlich nur noch von einem zum nächsten Atemzug denken, für nichts Anderes war mehr Platz. In dieser Zeit erreichten mich wunderbare Botschaften und Geschenke aus den Kitas, die mir viel Kraft gaben – aber doch nicht so viel, dass ich damals geschafft hätte, mich einzeln zu bedanken. Das möchte ich hiermit von Herzen ganz ausdrücklich nachholen! Vielen, vielen Dank! Auch jetzt noch bekomme ich hin und wieder eine Nachricht und freue mich sehr darüber.

Zum Glück geht es mir inzwischen wieder sehr viel besser. Ich kann mich an schönen Dingen freuen und aktiv am Leben teilhaben – dank inzwischen guter Behandlung. Aber das musste und muss ich mir auch selbst hart erarbeiten, mit Therapie-Treue oder Patienten-Compliance, wie das heute so schön heißt. Dafür brauche ich jeden Tag viel Zeit und die will ich mir nun im Status als Rentnerin nehmen.

Als Gesellschafterin werde ich INA.KINDER.GARTEN auch weiterhin die Treue halten und mich nach meinen Kräften einbringen. Denn mein Herz schlägt natürlich immer noch für eine hochwertige pädagogische und organisatorische Arbeit in unseren Kitas – und für eine gesunde und schmackhafte Ernährung, die doch die Basis für jede Entwicklung und für die Gesundheit der Kinder ist. Als chronisch kranke Patientin wurde mir immer wieder die Bedeutung gesunder Ernährung aufgezeigt – und ich stellte fest: Das ist genau, was uns bei der Ernährung der Kinder wichtig ist!

Ich bin sehr stolz auf das Erreichte! Ich danke euch und Ihnen allen von Herzen für all die Arbeit, die das möglich gemacht hat! Und ich wünsche weiterhin viel Freude an der Zusammenarbeit, am Weiterlernen und natürlich an den Kindern – hoffentlich auch mit neuen engagierten Fachkräften, die ganz schnell die Lücken schließen!

Ich danke Ihnen und euch allen, die mir geholfen haben, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Und ich weiß, dieser Traum wird weiterleben.